Erklärungen und Begrifflichkeiten

 

Was bedeutet Qualifizierung/Validierung? 

Validierung „ist die dokumentierte Beweisführung, die mit einem hohen Maß an Sicherheit belegt, dass ein technisches System und/oder ein bestimmtes Verfahren so existiert wie gewünscht, so funktioniert wie vorgesehen und am Ende reproduzierbar ein Produkt liefert, das allen geforderten Eigenschaften entspricht“. 

So oder so ähnlich lauten die bekannten Definitionen zum Thema Validierung. Dabei wird der Begriff „Validierung“ gerne im Zusammenhang mit Prozessen (Herstellprozesse, Reinigungsprozesse, etc.) und der Begriff Qualifizierung im Zusammenhang mit der Technik (z. B. Qualifizierung einer Wasseranlage) genutzt. Nicht verwechselt werden darf der Begriff Validierung bzw. Qualifizierung mit einer einfachen Prüfung oder einem einfachen Test. 

Veranschaulichen kann man sich die Thematik am einfachsten am Beispiel eines Staubsaugers. Dieser wird vor Verlassen des Herstellerwerkes selbstverständlich einer Fertigungskontrolle unterworfen, um sicher zu sein, dass das Gerät fehlerfrei ausgeliefert wird. Dies ist der übliche Vorgang einer Qualitätsprüfung (Testen), die Aufschluss darüber gibt, ob irgendwelche Mängel existieren oder nicht. Dabei kann das Ergebnis sowohl positiv als auch negativ sein. Im negativen Fall muss natürlich nachkorrigiert werden. 

Im GMP-Umfeld reicht dies aber nicht aus. Hier geht es um die letztendliche Beweisführung, die zeigen soll, dass auch unter Worst-Case-Bedingungen das Gerät wie vorgesehen funktioniert; dass es qualifiziert ist. Wir kennen dies von den Vorführungen der Staubsaugervertreter, die jetzt geradezu mutig ihre Rußpartikel auf den teuren Perserteppichen verteilen und nach dem Saugvorgang mit einem weißen Wischtuch den Nachweis erbringen, dass das Gerät zuverlässig gearbeitet hat. Es wurde nicht getestet, es wurde bewiesen. 

Würde der Vertreter jetzt noch Papier und Bleistift zur Hand nehmen, seine geplante Versuchsdurchführung dokumentieren und genehmigen lassen und nach Durchführung einen ausführlichen Bericht erstellen, der natürlich wieder genehmigt werden muss, dann hätte er schon zu einem großen Teil die Validierung durchgeführt. 

Qualifizierung und Validierung sind also „gut dokumentierte, diskutierte und genehmigte Versuchsdurchführungen“, um die höchstmögliche Sicherheit bei Anlagen und Prozessen zu garantieren. Diese Arbeiten bestimmen heutzutage einen Großteil der Tätigkeiten in einem GMP-Umfeld. Die Kenntnisse hierüber sind das Grundwerkzeug eines jeden GMP-Experten.


Seit wann gibt es GMP?

Die Entstehungsgeschichte von GMP reicht prinzipiell weit zurück (s. Jahreszahlen in der Tabelle). Der Begriff selbst und die ersten Regelwerke stammen jedoch aus den 60er Jahren. Einen richtigen Schub erlebten die GMP-Regularien in den 90er Jahren, als man die Anforderungen auch auf die Herstellung von Wirkstoffen ausdehnte. Seit dieser Zeit wurden die Regeln einer Guten Herstellungspraxis kontinuierlich verfeinert und die zugehörige behördliche Überwachung verstärkt. Verbände und Normungseinrichtungen stützen das Regelwerk durch weitere ergänzende Standards und Empfehlungen.

 

Historische Entwicklung von GMP

1883 Erste Empfehlungen für ein "Food and Drug Act" für Lebensmittel
1906 Erlass "Pure Food and Drug Act" -> Reinheit
1927 spezielle Überwachungsbehörde (spätere FDA)
1938 Sulfanilamid in Diethylglycol führt zu über 100 Todesfällen
1962 Einführung des Begriffs "GMP" und staatliche Überwachung
1968 Gesammelte Erfahrungen in den GMP-Grundregeln der WHO als qualitätssichernde Maßnahme

Wo finde ich weitere Informationen zum Thema GMP?

GMP-Regeln und vielfach auch Empfehlungen und Standards finden sich heute überwiegend frei zugänglich auf den entsprechenden Homepages der Behörden oder Verbände. Da jedes Land seine eigenen Regelwerke hat, muss man sich stets nach dem Herstellungs- oder dem Vertriebsort orientieren. Die jeweiligen Regelwerke eines Landes, in dem die Produkte hergestellt oder verkauft werden, sind zu beachten. Nachfolgend der jeweilige Link zu den WHO, den EU und den US Regelwerken. Speziell die WHO bietet auf ihren Webseiten noch eine Reihe weiterführender Informationsmaterialien zum Download an.


Was ist unter den Abkürzungen DQ/IQ/OQ/PQ zu verstehen?

  • DQ - “Design Qualifizierung” (engl. Design Qualification)
    Dokumentierter Nachweis, dass die qualitätsrelevanten Anforderungen beim Design der Ausrüstungsgegenstände einschließlich Gebäude, Räumlichkeiten und Hilfseinrichtungen angemessen berücksichtig wurden.

  • IQ - “Installationsqualifizierung” (engl. Installation Qualification)
    Dokumentierter Nachweis, dass Ausrüstungsgegenstände und Systeme in Übereinstimmung mit den gestellten Anforderungen und gesetzlichen Sicherheitsvorschriften geliefert und installiert wurden.

  • OQ - „Funktionsqualifizierung“ (engl. Operational Qualification)
    Dokumentierter Nachweis, dass Ausrüstungsgegenstände und Systeme in Übereinstimmung mit den gestellten Anforderungen im gesamten Arbeitsbereich unter Einhaltung vorgegebener Grenzen wie beabsichtigt funktionieren.

  • PQ „Leistungsqualifizierung“ (engl. Performance Qualification)
    Dokumentierter Nachweis, dass Ausrüstungsgegenstände und Systeme in Übereinstimmung mit den gestellten Anforderungen unter den aktuellen Arbeitsbedingungen (mit Produkt) die geforderten Leistungen erbringen.

Was bedeutet Kalibrieren (in der Messtechnik)?

Kalibrieren ist ein Messprozess zur zuverlässig reproduzierbaren Feststellung und Dokumentation der Abweichung eines Messgerätes (oder einer Maßverkörperung) zu einem anderen Gerät (oder einer anderen Maßverkörperung), das in diesem Fall als „Normal“ bezeichnet wird. Die ermittelte Abweichung muss bei der anschließenden Benutzung des Messgerätes berücksichtigt werden, um die abgelesenen Werte zu korrigieren, ggf. muss das nicht stimmige Messgerät neu justiert werden, was jedoch nicht Teil der Qualifizierung ist.


Was ist eine SOP?

SOP (Standard Operating Procedure) ist eine Arbeitsanweisung, die das Vorgehen innerhalb eines Prozesses beschreibt. Häufig wiederkehrende Arbeitsabläufe werden textlich beschreiben und den ausführenden Personen erklärend an die Hand gegeben. Von der Erstellung bis zur Einführung einer SOP sind immer folgende Schritte verbunden:

  • Dokumentation (beispielsweise Beschreibung eines Ablaufes)
  • Prüfung durch weitere Person(en) mit Unterschrift
  • Information und Schulung der Mitarbeiter
  • Änderungsmanagement

Was bedeutet Qualität?

Im Pharmaumfeld ist die Qualität definiert als „die Beschaffenheit eines Arzneimittels, die nach Identität, Gehalt, Reinheit, sonstigen chemischen, physikalischen, biologischen Eigenschaften oder durch das Herstellungsverfahren bestimmt wird“ – AMG §4 (15)

Die Besonderheit ist, dass das Herstellungsverfahren in der Definition erwähnt wird. Die Qualität kann damit nicht alleine durch analytische Untersuchung (Probe und Analyse) bestimmt werden, es muss auch das Herstellungsverfahren in Ordnung sein. Mitarbeiter müssen geschult, Anlagen qualifiziert, Verfahren validiert, alle Schritte und Aktionen dokumentiert und rückverfolgbar sein. Kurzum, die Herstellung muss nach GMP ablaufen. Und genau das ist die Besonderheit – Qualität im Pharmaumfeld wird bestimmt und nachgewiesen über analytische Untersuchungen des Produkts und über die Einhaltung der GMP-Regeln. Analytik alleine reicht also im GMP-Umfeld nicht aus.

 
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Validierung

Validierung ist die dokumentierte Beweisführung, dass ein bestimmter Prozess reproduzierbar ein Produkt liefert, das allen vorgegebenen Qualitätsanforderungen und Eigenschaften entspricht.

Qualifizierung

Qualifizierung ist die dokumentierte Beweisführung, dass ein technisches System so funktioniert, dass es allen geforderten Qualitätsanforderungen entspricht.

Qualität

Im Pharmaumfeld ist die Qualität definiert als „die Beschaffenheit eines Arzneimittels, die nach Identität, Gehalt, Reinheit, sonstigen chemischen, physikalischen, biologischen Eigenschaften oder durch das Herstellungsverfahren bestimmt wird“ – AMG §4 (15)

GMP (Good Manufacturing Practice)

GMP ist der Teil der Qualitätssicherung, der gewährleistet, dass Produkte gleichbleibend nach den Qualitätsstandards produziert und geprüft werden, die der vorgesehenen Verwendung entsprechen.

API (Active Pharmaceutical Ingredient)

Jede Substanz, die dafür gedacht ist, eine pharmakologische Wirkung in einem medizinischen Produkt hervor zu rufen.

SOP (Standard Operating Procedure)

SOP ist eine Arbeitsanweisung, die das Vorgehen innerhalb eines Prozesses beschreibt. Häufig wiederkehrende Arbeitsabläufe werden textlich beschreiben und den ausführenden Personen erklärend an die Hand gegeben.

Onsite

Wörtlich übersetzt bedeutet onsite „vor Ort“. Unter Onsite Unterstützung versteht man die temporäre aber auch dauerhafte Unterstützung der Kunden vor Ort bei Themen der gesamten pharmazeutischen Qualitätssicherung.